MD-Longtrail-EM 2007 in Cansiglio

 

Nach der Sprint-WM blieben wir noch bis zur Bestätigung der Durchführung der MD-EM in Auronzo stehen. Als uns mitgeteilt wurde, dass das Rennen durchgeführt wird, begann das Abenteuer. Wir fuhren an geöffneten Eisgeschäften, blühenden Bäumen und sogar an Palmen vorbei nach Cansiglio. In Cansiglio war das Stake Out verlegt worden und wir wurden teilweise auf einem Parkplatz sowie auf Viehweiden untergebracht. Man stand also entweder im Wasser oder im knöchelhohen Alpenmatsch. Die nahe gelegenen Gaststätten hatten geschlossen, Wasser war nur zu gewissen Zeiten zu bekommen und als zwei Chemietoiletten gebracht wurden, wurden auch die Toiletten des Gebäudes der italienischen Veranstalter für Musher und Doghandler versperrt. Die FISTC-Crew hatte laut Aussagen der Verantwortlichen nicht mit solchen Begebenheiten gerechnet.

1. Renntag: Der Start wurde verlegt, wodurch alle Teilnehmer gezwungen waren, einige Kilometer vom Stake Out zum Start zu gelangen. Beim Alpentrail oder Pirena ist dies so üblich, doch man ist darauf vorbereitet. Hier aber gab es viele Musher, die ihre Hunde in Anhängern oder im Wohnwagen untergebracht hatten. Einige Starter schafften es nicht, die Bergstrasse zum Start zu erreichen, - andere versuchten es erst gar nicht oder verpassten ihren Start. Aber es wurde untereinander geholfen, so gut es ging. An dieser Stelle vielen Dank an die "Deggendorfer's", die durch ihre Hilfe Manfred Komac den Start ermöglichten. Als ich auf der schneefreien Straße, ca. 600m vom Start entfernt, eingereiht hinter D, C und B Teams gerade die Hunde gewässert hatte, bekam ich die Anweisung, so schnell wie möglich an den Start zu kommen, da durch den entstandenen Chaos die Startzeiten gänzlich außer Kontrolle kamen. Eigentlich hätte ich noch eine ganze Stunde warten müssen. Der Trail wäre in gutem Zustand wirklich traumhaft gewesen, aber leider mussten wir teilweise über schneefreie Forst- und Schotterstrassen fahren. Das schonte weder Material noch Hundepfoten. Dummerweise musste man gerade in diesem Bereich mit Head On Passing rechnen. Am höchsten Punkt des Rennens angekommen, gab es für kurze Zeit einen tollen Ausblick- man konnte Venedig und das Meer sehen, was im Schlittenhundesport nicht gerade üblich ist. Die Longtrailer verbrachten diese Nacht im Biwak, aber die FISTC-Rennleitung konnte leider kein Brennholz oder sonstige nützlichen Teile dorthin bringen, da seltsamerweise die Ski-Doo-Schlüssel nicht mehr vorhanden waren. Diese Begebenheiten veranlassten die FISTC-Verantwortlichen, dem italienischen Veranstalter mitzuteilen, dass der zweite Renntag nur gestartet wird, wenn die Rennstrecke in der Nacht saniert wird (Stroh auf die schneefreien Stellen) und der Start für alle Teilnehmer ermöglicht wird. Leider war an diesem Abend kein Essen zu bekommen, da das Zelt mit Hamburgern und Glühwein nur geöffnet war, als die Musher am Trail waren. Da Wasser nicht immer zu Verfügung stand musste auch hier teilweise improvisiert werden.

2. Renntag: Am zweiten Tag war es glücklicherweise etwas kühler. Die Starterzahl hatte sich beträchtlich verringert, da der erste Renntag diverse Hunde und auch Musher so mitgenommen bzw. verärgert hatte, dass sie nicht mehr an den Start wollten. Diesmal wurde sogar für die großen Teams Platz in der Nähe des Starts freigehalten und die Startzeiten eingehalten. Der Trail war durch das eingestreute Stroh für Hunde und Kufen auch angenehmer zu bewältigen. An manchen Stellen war aber der Schotter wieder an die Oberfläche gekommen, wodurch sich zwei meiner Hunde die Pfotenballen verletzten und ich booten musste. Jetzt war es an der Zeit, einen Platz zu finden, wo man ankern konnte. Nachdem ich den Hunden die Booties verpasst hatte und weiterfahren wollte, merkte ich, dass sich ein Anker unter einer Wurzel verfangen hatte. Ich wollte ihn gerade losschneiden, als die Hunde einen Ruck auslösten - ich spürte in diesem Moment, dass meine Schulter durch diesen Ruck luxiert wurde. Nach einigen unbeschreiblichen Kilometern sah ich einen Langläufer, dem ich nach langem Hin- und Her klarmachen konnte, dass er mir mit Hilfe eines Schistockes und einer Schlaufe dabei helfen sollte, die Schulter wieder einzukegeln, - was uns dann auch gelang. Am Ziel angelangt, wurden die Hunde und meine Schulter versorgt (Danke an Teunis). Diesmal konnte man sich im Zielbereich sogar stärken- es wurde etwas mitgedacht. Am Abend war es wieder an der Zeit zusammenzuhelfen, da der Musherabend ziemlich weit vom Stake Out entfernt veranstaltet wurde und nicht alle mit ihren eigenen Fahrzeugen fahren konnten. Nach dem nicht unbedingt gemütlichen Essen wurde uns von der Rennleitung bekanntgegeben, dass der 3. Renntag aufgrund des Trailzustandes und der Wetterbedingungen abgesagt werde.  

Am Sonntag warteten dann alle Teilnehmer auf die Siegerehrung, die leider erst um ca. 12.30 endete.
 

Ergebnis für Österreich:
Kat. A: 3. Platz Manfred Komac
Kat. O: 3. Platz Wolfgang Hammerschmid

 





Da von der FISTC erstmals Musher der WSA zum Rennen eingeladen wurden, sollte in Zukunft eine Lösung gefunden werden, um allen Mushern zu ermöglichen, an allen möglichen Rennen teilzunehmen.

Bericht und Fotos: Wolfgang Hammerschmid