Bericht vom Wagenrennen Ottenschlag 2008

Erstes Schneerennen der Saison 08/09

 

Es ist schon ein komisches Völkchen – die Schlittenhundler.  Da sitzen einige rund 600 Km südlich von Ottenschlag in Udine bei der Dryland EM und verkünden, dass in Ottenschlag das Rennen abgesagt wurde.

Zum Glück werden die Entscheidungen vor Ort getroffen und denjenigen, die meinten, dass es doch besser ist, in Italien zu starten als an einem Ort zu sein, wo der Sturm mit durchschnittlichen Böen von 80 KM/h den Schnee wagerecht über das Stake Out weht, sei gesagt, dass sie das geilste Rennen seit Jahren versäumt haben.

Aber zurück zu den wirklich wichtigen Angelegenheiten. Vor rund eineinhalb Jahren fanden die ersten Gespräche zwischen dem HSV-ÖSHS und der Gemeinde Ottenschlag über die Ausrichtung einer Schlittenhundeveranstaltung, statt.
Von den ersten Überlegungen und Planungen an stand fest, dass sich da zwei gegenübersitzen, die nur eines im Sinn hatten: eine gute Veranstaltung zu organisieren.
Im letzten Jahr musste dieses Vorhaben leider abgesagt werden und somit waren die Anstrengungen umso größer, heuer das Geplante in die Realität umzusetzen.
Wir wussten schon, dass ein später November-Termin betreffend Schneefall kritisch sein könnte. Da aber auf den Wegen bei ausreichender Schneelage Loipen präpariert werden, sind in Ottenschlag die Gerätschaften für diese Bedingungen natürlich vorhanden.
Also lautete die Ausschreibung auf Wagenrennen mit der Option Schneerennen.

Vorweggenommen, es wurde das erste Schneerennen der Saison, aber mit den Wagen ausgetragen.

Schon die ganze Woche beschäftigte uns das Wetter. Es wurde ein massiver Wintereinbruch prognostiziert, aber die partiellen Vorhersagen sowie die Einheimischen sprachen von wenigen Schneeschauern und maximal 3 bis 5cm Schnee fürs ganze Wochenende, eben mal „angezuckert“!
An dieser Stelle ein Gruß an die ZAMG. Die maximale Schneehöhe war bereits Freitagabend erreicht.
Am meisten zu schaffen machte aber der nicht enden wollende Sturm. Unaufhörlich peitschten Windböen den Schnee übers Stake Out, das hell erleuchtet von den Flutlichtscheinwerfern des Fußballplatzes war.  Ein apokalyptischen Schauspiel, das jeden Schritt vor die Wohnwagentür gut überlegt sein ließ.
Darum beschlossen wir  bezüglich der Strecke und des Aufbaues des Start– Zielbereiches nichts zu unternehmen, da die Startzeit am Samstag mit 13.00 Uhr uns genügend Spielraum ließ.

Eine gemütliche, mit Punsch und Zimtduft geschwängerte Luft bei der Startnummernausgabe verbreitete vorweihnachtlich Stimmung. Die Vielfalt der Speisekarte und die gourmettempelartige Zubereitung der Speisen ließen in Hinblick auf den Musherabend die Herzen schon höher schlagen.
Die Bezeichnung „Schnitzelwirt“ untertreibt überschwänglich, was Thomas Völker mit seinen Helfern auf die Teller zaubert.

Am frühen Morgen begannen die Vorbereitungen. Um 9.00 Uhr war eine erste Streckenbesichtigung mit dem Verantwortlichen aus Ottenschlager Sicht, Alfred Völker, angesetzt.
Schon nach den ersten hundert Metern war klar, dass es keinen Grund gab, das Rennen nicht zu starten. Unsere Doppelspitze an Rennleitern mit Karl Rachbauer und mir, die sowohl die kleinen Teams wie Läufer, Scooter- und Radfahrer als auch die größeren Gespanne vertreten, konnten aus der jeweiligen Sicht die Schlüsselstellen der Strecke so gestalten, dass alle Teams den Trail ohne Problem bewältigen konnten.
Unter der Mithilfe von Peter Langguth waren sowohl die 5 km als auch die 8 km Schleife in knapp einer Stunde ausgeschildert und mit Bändern gesichert.

Der Start erfolgte pünktlich um 13.00 Uhr und knapp vor 15.00 Uhr war das letzte Team wieder im Ziel. Trotz der widrigen Wetterbedingungen gab es nur glückliche Gesichter. Da die Strecke zu fast 100 Prozent im Wald liegt und dort der Sturm kaum das Weiterkommen beeinträchtigte, war die Zeit am Trail die angenehmste.

Beim Musheressen herrschte Euphorie bezüglich der traumhaften Strecke und jeder hoffte, dass die weiter angesagten Niederschläge sich nicht doch noch negativ auf die Strecke auswirken könnten.

Bezüglich des Essens ließen die drei zur Auswahl stehenden Speisen keine Wünsche über. Ich kann mich nicht an ein Musheressen erinnern, bei dem die meist gestellte Frage die nach einem Stanniolpapier war, um die Reste einpacken zu können. In den letzten Jahren haben wir es uns zur Prämisse gemacht, dass das Musheressen immer einen Höhepunkt darstellen sollte. Egal ob in Mauterndorf im Schloss, in Rosenau beim Maurerwirt, in Rohr bei unserem lieben Herrn Bauer oder eben hier in Ottenschlag, überall wird darauf geachtet, dass ein Höchstmaß an Qualität und Quantität bei unseren Abenden gegeben ist.

Die Nacht war wieder stürmisch und die Verwehungen erreichten schon eine beachtliche Höhe, dem Trail konnten sie aber nichts anhaben. Im Gegenteil, er präsentierte sich in einer traumhaften Winterlandschaft und daher mein Aufruf 
bei der Musherbesprechung, die Ergebnisliste aus dem Kopf zu streichen und einfach den Trail zu genießen, denn es wird in der ganzen Wintersaison keinen schöneren mehr geben.

So ging auch der zweite Tag ohne Problem zu Ende und um 14.30 begann die Siegerehrung.
Wie sehr unsere Anwesenheit geschätzt wurde, brachte Herr Bürgermeister Tiefenbacher zum Ausdruck. Jeder Teilnehmer erhielt einen Lyrik Band Ottenschlager Dichter, zusammen mit einem für die Gegend typischen Mohnölprodukt.

Auch wir versuchten bei dieser Veranstaltung einmal die Musher auf ihre Rechnung  kommen zu lassen. Wir konnten die Firma Sonnentor als Hauptsponsor gewinnen und somit waren diesmal in den Starterpaketen keine Probepackung Hundenahrung, sondern Bioprodukte für das leibliche Wohl der Musher.
Auch gab es keine Pokale, sondern Geschenkspackungen, bestückt mit diversen Tees, Honig, Keksen usw.

Die Herzlichkeit und Freundlichkeit, mit der uns entgegen gekommen wurde, ließ in uns den Wunsch nach viel mehr aufsteigen, somit wurden schon von beiden Seiten Versprechungen für eine weitere Veranstaltung abgegeben.

Ich danke allen Mushern, die zu uns gekommen sind und die in Ottenschlag das Schlittenhundeflair in seiner schönsten Art verbreitet haben.

`s Woidviertl

Im Woidviertl gibt`s no Platzl leis und stü,
ma muaß nur sucha, finden tut man`s, waun ma wü.

Es is oft recht laung schiach rau und koit,
und geh`kaunst stundenlaung durchn finstern Woid.

Und sogn tuans, de Leit haum a raue Schoin und an woachn Kern,
waunst as amoi kennst, daunn host as einfoch gern.

I daunk en Herrgott für so vü liabe leit,
da Umgaung mit de Gäst`is hoit mei große Freid.

Sogar aus gaunz Österreich kemmans und no vü weita her,
weus ba uns a Ruah finden, aber de gebn ma um koan Preis her.

                                                            Josefine Hofbauer-Hofmann

 

Wir bedanken uns bei Alfred Völker für die Organisation, bei seinem Bruder Thomas für die köstliche Bewirtung, beim Fußballklub für die zur Verfügung gestellten Kabinen, das Flutlicht und die geöffnete Kantine, die für viele ein Zufluchtsort vor den stürmischen Bedingungen war, beim Stift Göttweig für die Benutzung der Forstwege und ganz besonders bei der Gemeinde Ottenschlag und der Firma Sonnentor.

 

 

 

Text: Klaus Bäumel