Bericht von Rosenau 2009

 

Einhundertachtundzwanzig Nennungen - hundertvierzehn Starter.
Ein Starterfeld, das EM oder WM Niveau erreichte und dabei ging es für manche „NUR“ um die Internationale Österreichische Meisterschaft. Ich bin mir aber sicher, dass nicht die Meisterschaft in den Hinterköpfen der Musher ausschlaggebend war, um nach Rosenau zu kommen, sondern das Wissen, dass bei den Veranstaltungen des ÖSHS Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt wird, um für die Teilnehmer optimale Bedingungen zu schaffen, egal ob ein Wagenrennen wie in Ottenschlag oder eben eine Veranstaltung, die am Rande des Machbaren ist. Die in den letzten Jahren von den Verantwortlichen als grundsätzlicher Standard für Veranstaltungen festgesetzten Kriterien werden hier wie dort umgesetzt.

Der Versuch, auf alle Wünsche und Bedürfnisse einzugehen, ist nicht immer von Erfolg gekrönt, denn oft  liegt es nicht in unserem Bereich Dinge umzusetzen. Wir nehmen Kritik gerne entgegen, denn wir sehen sie nicht als Beleidigung an, sondern als Auftrag, es noch besser zu machen.
So blieb einer kleiner Makel  haften, denn wir schafften es nicht, die Trailpräparierung soweit hinzubekommen, dass sämtliche Spuren der klassischen Loipe entfernt wurden. Manchmal sind auch einfach Kompromisse einzugehen, denn speziell in diesem Fall sind wir ja in einem Langlaufzentrum zu Gast, aber dieser Punkt steht an erster Stelle der Prioritätenliste für das kommende Jahr.
Dinge, die sich nicht vermeiden lassen, aber eben auch zu Unmut führen können, lösen sich in Wohlgefallen auf, wenn man sie den Beteiligte erklärt. Da am Freitag der Prolog ausschlaggebend für die Startreihenfolge am nächsten Tag war, konnte die Startnummernausgabe erst um 20.00 Uhr beginnen. Papiere von weit über fünfhundert Hunden und rund hundertzwanzig Mushern mussten kontrolliert werden. Die Startnummernausgabe dauerte dann bis 23.00 Uhr. Wenn man sich aber vor Augen hält,  dass da in einer Stunde rund 40 Teilnehmer abgefertigt wurden, entspricht dies einer absolut prompten Abwicklung.

An die Adresse des besorgten Hundefreundes, der uns nun schon zum dritten Mal in dieser Saison per anonymer Anzeige den Amtstierarzt vorbeischickte: es war auch dies Mal nichts zu beanstanden, aber trotzdem danke für die Fürsorge und hoffentlich sieht es vor der eigenen Tür genauso gut aus.

Zum Sportlichen: Absolutes Highlight und von vielen erwartet war der Nachtlauf. 36 Starter gaben sich das Vergnügen, mit Stirnlampe den verkürzten Trail in Angriff zu nehmen. Für viele war es das erste Mal, dass sie sich solchen Bedingungen aussetzten. Mit gemischten Gefühlen standen sie am Start, aber aus allen Reaktionen ging hervor, dass diese bald in Begeisterung und Euphorie umschlugen.

Für die Zuseher war es ein besonderes Spektakel, denn nach rund 1,5 Kilometern kamen alle Teams wieder am Start und am Stake Out vorbei. Glühwürmchenparade nannte es einer, der zufällig vorbei kam und vor Begeisterung über dieses nächtliche Treiben seinen Urlaub verlängerte, um auch am Samstag mit seiner Familie das Renngeschehen zu beobachten.
Uns Organisatoren fiel ein Stein vom Herzen, als der letzte Starter das Ziel erreichte und es nur positive Reaktionen gab. Ansporn genug, um im nächsten Jahr diese Sache größer aufzuziehen.

Verschnaufpause gab es keine, denn während die Ergebnisliste ausgewertet und die Startnummern vergeben wurden, herrschte reges Treiben am Trail. Netze und Absperrungen mussten ab und etliche Stellen für das Rennen umgebaut werden, damit der Trail wieder neu präpariert werden konnte.

Ein hochkarätiges Starterfeld gespickt mit Welt- und Europameistern, sowohl aus dem FISTC- als auch WSA-Lager, machte sich ab 11.00 Uhr auf den Weg, um in einem ersten Vergleichskampf den jeweiligen Trainingsstand zu beurteilen.
In manchen Kategorien brachte der Minutenstart zusätzliche Brisanz und es kam auf der Strecke zu packenden Zweikämpfen, die aber alle von Fairness und Rücksicht geprägt waren.
Alles in Allem ein perfekt organisierter erster Lauf, bei dem alle auf ihre Rechnung gekommen waren.
Höhepunkt des Abends war natürlich das Musheressen beim Maurerwirt in Rosenau. Positiv angenommen wurde der großzügige Zeitraum (ab 17.00 Uhr) und so konnte auch der Wirt die rund 200 Speisen ohne längere Wartezeiten servieren.

Während alle den kulinarischen Genüssen frönten, herrschte am Trail reges Treiben. Wieder mussten die Absperrungen abgebaut und nach der Durchfahrt der Pistenraupe aufgestellt werden. Hier ein herzliches Dankeschön an den Betreiber der Biathlonanlage Herrn Pölzl, der alle Hebeln in Bewegung setzte und uns an allen Tagen einen perfekten Trail zur Verfügung stellte.

Auch am Sonntag herrschten traumhafte Bedingungen. Die Skijörer  eröffneten das Rennen, gefolgt von den „O“- und „A“-Teams. Um 13.00 machte sich das letzte „D“-Gespann auf den Weg. Die wirklich großen Überraschungen blieben aus. Die Favoriten belegten wieder die vorderen Plätze und der Leistungsvergleich zwischen FISTC und WSA sah keinen klaren Sieger.

Beachtenswert und in diesem Ausmaß in Österreich noch nie ausgefahren war die Kategorie Skijöring. 20 Starter in drei Unterkategorien, getrennt in Damen, Herren und Offen.
Franz Graupp und Klaus Bäumel mussten sich dem deutschen Bernd Reif geschlagen geben. Auch bei den Damen ging der Sieg nach Deutschland. Tamara Schlemmer vor Christiane Biewald und der Österreicherin Karin Heubusch. Die absolute Topzeit bei den Skijörern erzielte Ernst Wuchterl der aber mit zwei Hunden gestartet war, gefolgt von Dieter Kretschmer und Eva Bernhart, die mit ihrem Schäfer-Husky-Mix nun auch auf den Skiern gute Figur macht.

In „O“ gewann Jürgen Stolz vor Jens Laudel, der an beiden Tagen auf die Zehntelsekunde genau identische Läufe absolvierte. Den dritten Platz belegte Frans Weisscher vor Manfred Komac.

Dreizehn Platzierte dann in der Kategorie „A“. Nur achtzehn Sekunden trennten die Dritte, Andrea Keller, vom Sieger Mateusz Surowka und Karl Rachbauer fehlten mal gerade 4 Sekunden nach dem seiner Aussage nach besten Lauf seiner Karriere.

In B1 waren es dann sechzehn Teams, die sich in der Endabrechnung platzieren konnten. Hier hatten die Österreicher mit der Entscheidung nichts zu tun. Stepan Kroska, acht Sekunden vor Georg Patsch und als dritter am Podest Andreas Birkel.

Gar fünfundzwanzig platzierten sich in C1. Auch hier war der Sieger wieder Mateusz Surowka. Mit rund eineinhalb Minuten Rückstand folgte unser Alexander Serdjukov vor dem deutschen Martin Schulz.

In C2 schnappte Christa Sauerhöfer den Männern Hannes Eder, Peter Langguth und Frank Schülles den ersten Platz vor der Nase weg.

Die Kategorie D1 wird, wie schon in den letzten Jahren, von Tobias Hager dominiert. Er fährt Zeiten wie aus einer anderen Welt und zählt damit sicherlich zu den Top-Favoriten bei der WM.

Sepp Brugger, Peter Salzlechner und Ernst Schneider belegten vor Klaudia Lippusch in D2 die Plätze eins bis drei.

In D3 nur zwei Starter. Sie waren aber in der Endabrechnung nur durch den Wimpernschlag von drei Hundertstel getrennt.

In den Kategorien A3 mit Wolfgang Koch, B2 mit Bernd Sauerhöfer, B3 mit Wolfgang Hammerschmid und C3 mit Alex Mayer war jeweils nur ein Starter in der Endabrechnung.

 

Nachdem der letzte Starter gegen 14.00 Uhr das Ziel erreichte, konnte die Siegerehrung rasch durchgezogen werden, da die Meisten sich nach den Wehnachtsfeiertagen wieder auf den Heimweg machten. Für die, die es sich richten konnten, ging das Trainingslager weiter und einige von ihnen überstellten dann gleich weiter nach Mauterndorf.

Zum Abschluss bleibt mir nur noch, mich bei den viele helfenden Händen zu bedanken, ohne die es nicht möglich wäre, eine so grandiose Veranstaltung abzuhalten.

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen und so haben schon die ersten Gespräche stattgefunden, wie und in welcher Art wir im nächsten Jahr die Veranstaltung organisieren werden. Können die Vorstellungen umgesetzt werden, wird den Mushern noch besseres geboten.
Also auf Wiedersehen in Rosenau 2010.

Klaus Bäumel