Seckau die Zweite
oder
Wiedersehen mit Freunden
Die zweite Auflage vom Trainingslager und Wagenrennen stand vom
24. September bis 3. Oktober am Programm.
Für viele, die schon im letzten Jahr dabei waren, war dieser Termin fix im Terminkalender für den Trainingsauftakt verankert. Aber auch neue Gäste in der Schlittenhundeszene durften wir begrüßen.
Anfangs stand aber die Wiedersehensfreude im Vordergrund. Kaum waren die ersten Wohnwagen aufgestellt, scharten sich unzählige Kinder am Stake Out, um die Hunde zu begrüßen und mit ihnen spazieren zu gehen.
An vorderster Front des Begrüßungskomitee`s stand Willi Eisenbeutel, der im Vorfeld schon ganze Arbeit geleistet hatte. Der Trail wurde, unter Mithilfe von Otmar Fandl, perfekt gerodet, so dass er ohne große Begrenzungsmaßnahmen befahrbar war. Besonders die Bachdurchfahrt, wurde gegenüber dem letztem Jahr, wesentlich entschärft. Ebenso wurde am höchsten Punkt des Trails eine einfache Holzbrücke gezimmert um die Trailführung etwas zu vereinfachen.
So war es ein Leichtes für mich, unter Mithilfe von Ernst Schneider und Michi Humplik, den Trail bis zum Abend so weit abzusichern und auszuschildern, dass er am Samstag ab 9.00 Uhr zu befahren war.
Zur Belohnung gab es dann, für alle die schon angereist waren, den versprochenen Begrüßungsschnaps.
Der angesagte Wetterumschwung stellte sich pünktlich in der Nacht von Freitag auf Samstag ein. Keine Spur mehr vom Altweibersommer. Der Morgen begrüßte uns mit tief hängenden Wolken und einer Suppe aus Niesel- und Regenwolken.
Schon nach den ersten Trainingsfahrten verwandelte sich der Trail in eine Schlammspur und auf den gemulchten Wiesen schlitterten die Wagengespanne nur so dahin. Nach meinem Training und dem dritten Paar durchnässten Schuhen stand für mich eines fest: ich brauche Gummistiefel.
Im Lagerhaus Knittelfeld wurde ich fündig und bin seither zum ersten Mal in meinem Leben Besitzer von Agrarpumps.
Der für den Samstagnachmittag geplante Kinderlauf musste wetterbedingt abgesagt werden und stattdessen wurden die ersten Wintergetränke gebraut.
Ab Sonntag besserte sich das Wetter und die täglichen Arbeiten, besonders die angelegten Drainagen, machten den Trail weitgehend ohne Probleme befahrbar.
Aber die Woche verging schneller als mancher wollte. Das Programm mit täglichen Höhepunkten ließ die Woche viel zu schnell vergehen.
Am Dienstag besuchten die Mehrzahl der Traininslagerteilnehmer die schon zur Tradition gewordene Gedenkmesse für Brunhilde Mayr. Wie schon im letzten Jahr begrüßte uns Pater Leo Liedermann vor dem Portal der Abtei und freute sich, mit uns einige persönliche Worte wechseln zu können. Den Gottesdienst leitete er mit sehr einfühlsamen Worten und so war dies für viele ein Moment der inneren Einkehr.
Wie eben am Land so üblich endetet der Abend dann im Wirtshaus. In einem extra Raum des Hofwirt fanden sich dann Geläuterte und Atheisten zu einem gemeinsamen Abendessen, bei dem der Gesprächstoff bis zu später Stunde kein Ende finden wollte.
Der Donnerstag stand dann ganz im Zeichen des Kinderlaufes. Nicht nur zwei Klassen des Abtei-Gymnasiums verlagerten ihre Sportstunden auf den extra angelegten Trail, der knapp 500 Meter lang war, sondern auch etliche Kinder aus der Ortschaft wollten sich der Herausforderung stellen.
In fünfer Gruppen, geteilt in Burschen und Mädchen, machten sich die einzelnen Läufer angespornt durch ihre Klassenkameraden auf die Sprintstrecke.
Ein Gejohle und Geschrei verwandelte die Wiese in eine Wettkampfarena und es war bewundernswert, dass die Hunde dieses Spektakel ohne Anzeichen von Nervosität einfach mitmachten. Die nicht enden wollenden Streicheleinheiten und die zu erwartenden Leckerlis waren ausreichende Entschädigungen.
Danach war für die Musher am Abend ein Besuch in der Abteieigenen Schnapsbrennerei angesagt.
Unter der Leitung von Stefan Nöstelthaller gab es eine Einführung in die Geheimnisse der Brennerei. Nachdem Schnaps nicht gleich Schnaps ist, gab es so manches „Aha-Erlebnis“ bei der abschließenden Verkostung.
Am Freitag hatte ich das Vergnügen mit Hans Molcik eine Mountainbike Tour machen zu dürfen. Unterwegs wünschte ich mir, dass ich in seinem Alter (er wurde zwei Tage zu vor psst Jahre alt, aber das darf ich nicht verraten) auch noch so gut wie er unterwegs sein möge. Auch wenn uns die Route in den Nebel führte und es immer wieder regnete, genoss ich jeden Augenblick und beim Downhill wurde mir klar, von wem seine Tochter Anita dieses Talent hat.
Im Laufe des Nachmittages füllte sich das Stake Out mit den Rennteilnehmern und endlich hatte es uns wieder. Das Rennfieber.
Monate liegen hinter uns, in denen nur an die kommende Saison gedacht wurde. Jetzt haben die meisten schon einige Trainingskilometer hinter sich und an den kommenden Tagen sollten die ersten Vergleiche stattfinden.
Im Gasthof zur Post, wo die Wirtin, die für ihren eigenen Humor auch bei uns schon recht bekannt ist, von Willi liebevoll Linerl genannt wird, fand die Startnummernausgabe statt.
Zum Plaudern gab es genug. Das Unverständnis und der Unmut über die neu FISTC Regelung bezüglich der Rennpässe war nicht zu überhören, aber auch die Saisonziele sind für die meisten schon fixiert.
Das Rennen an und für sich hatte für jeden seinen persönlichen Höhepunkt, denn für einige waren es die ersten Trainingskilometer und da der zweite Tag nur als Training gewertet wurde, war es ein wertvoller Beitrag zum Formaufbau.
Das Besondere am Musherabend war, dass er in den Räumlichkeiten der Abtei stattfand. Dort wo sonst Schüler und Pater ihr Essen einnehmen, zauberten uns die Damen der Küche ein Essen, welchem es weder an Geschmack noch an Reichhaltigkeit fehlte.
Die Fortsetzung des Abends fand am Stake Out bei Lagerfeuerromantik statt und damit es nicht an Getränken fehlte sperrte Willi Eisenbeutel auch noch den Getränkewagen auf.
So manches Musherauge war am nächsten Morgen etwas verschlafen und ganz Froh darüber, dass der sonntägige Lauf nicht in die Wertung genommen wurde.
Zwar war die gefühlte Temperatur durch den leichten Wind nicht so hoch, aber die auf der Anzeige erschienen 20 Grad doch zu bedenklich.
Gerade zu Saisonstart wollten wir nicht unnötige Tempobolzerei fördern, dafür wurden die Zuseher mit einigen Attraktionen verwöhnt.
Manfred Komac spannte sechzehn Hunde vor seinen Wagen und Klaus Berr präsentierte ein acht Hunde Malamuten-Team, welches ich in Österreich noch nicht gesehen habe.
Fast alle Team`s nutzten die Möglichkeit einen Trainingslauf zu absolvieren und fanden dadurch ausgezeichnete Bedingungen, sich für die kommenden Rennen vorzubereiten.
Willi Eisenbeutel, Christian Kleemair und Hannes Kühweider sorgten für das leibliche Wohl der Besucher und Musher, aber auch dieser Sonntag neigte sich viel zu rasch dem Ende zu.
Mit der Siegerehrung und den abschließenden Worten wurde das „Wiedersehen mit Freunden“ beendet und die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass es im nächsten Jahr ein neuerliches geben wird.
Die Zahl der Freunde, der begeisterten Zuseher und der Schulkinder, die schon vor Beginn der Schule die Hunde besuchen kamen, sollte Ansporn genug sein, um diese Veranstaltung auch in den nächsten Jahren zu einem Fixpunkt zu machen, sowohl in der Planung des Tourismusverbandes Seckau als auch in der sportlichen Planung vom ÖSHS als auch den Mushern, die hier einen wirklich ausgezeichneten Trail für den Trainingsbeginn vorfinden.
Abschließend möchten wir uns noch bei den Gemeindeabeitern von Seckau, sowie allen Freiwilligen bedanken, besonders bei Margit Jesner die jeden Tag den Straßenübergang gesichert hat.
Ganz besonderer Dank gilt natürlich auch den Verantwortlichen der Abtei Seckau, P. Prior Administrator Johannes Fragner OSB, Wirtschaftsdirektor Harald Berger sowie dem Pächter Robert Orsolits & Hermann Friedl, die Ihre Grundstücke zur Verfügung stellten und unserem Hauptsponsor Royal Canin, der sich besonders bei den Preisen für das Kinderrennen engagiert hat.
Aber unser größter Dank geht, und da möchte ich ein persönliches Wort verwenden, an UNSEREN WILLI EISENBEUTEL, der das Herz dieser Veranstaltung ist und ohne den wir uns die Woche in Seckau nicht vorstellen wollen.
Text:
klaus bäumel