Ella Sarianidi

 

Musherfoto
 

 
Beruf:
selbstständig
Familienstand:
Lebengemeinschaft mit Lorenzo Conti (Musher)
Wohnort:
Hainburg
Hundeanzahl:
4 Hunde  3 Siberian Huskss und 1 Schäfermischling
Club:
ÖSHS seit 1998

 

Es ist soweit! Endgültig! Kein Mensch braucht meine Aufmerksamkeit mehr. Wie eine Ertrinkende, die sich an den letzten Strohalm klammert, versuche ich, meine 15-jährige Tochter auf den Schoß zu ziehen. „Mama, ich bin schon erwachsen, ich brauche deine Bussi nicht.“ „ Und wie soll ich denn weiter leben?“ „Kaufe einen Hund.“ „Bin ich alte Jungfer? Ein kleines Schoßhündchen und ich. Ei, es ist ZU lächerlich“. „Wieso ein kleiner, kaufe einen großen Hund. Dann werdet ihr zusammen laufen“.

Am nächsten Wochenende fuhr ich Ski laufen. Bei der Abfahrt überholt mich ein junger Mann mit einem schönen sportlichen Husky . DAS ist das Richtige für mich, – ein Husky!!!

 

AMUR NORDLICHT

Um die Aufmerksamkeit von Ella's Freunden auf unserem Wurf zu ziehen, bin ich auch genau zu ihrem Geburtstag, am 26.November, zur Welt gekommen. Und dann habe SIE gehört mit den Worten: „Was für ein Beau!“ Diese Phrase begleitet mich mein ganzes Leben lang.

Ich brauche keine Hundeausstellung, ich bin sowieso der Schönste. Ella hat mich, geschmückt mit Schleife, als Geschenk zu Weihnachten bekommen. Sie war überglücklich und hat damals gar nicht begriffen, dass sie sich damit große Sorgen für mehrere Jahre eingehandelt hat. Ich habe rund um die Uhr ihre Aufmerksamkeit gefordert. Nicht einmal aufs Klo habe ich Ella gelassen – so intensiv habe ich die Tür bewacht. In ihrem Kopf war nur ich. Leckeres und gesundes Essen, ständige Fell-Pflege, frische Luft, Sport. Die ganze Welt lag zu meinen Pfoten. Ella hat für mich eine Wohnung mit einem kleinen Garten und Zugang zur Promenade an der Neuen Donau gekauft, wo ich mit ihr zusammen rollerbladen, im angenehm kühlen Wasser schwimmen und bei Gelegenheit meine Schönheit den Passanten demonstrieren kann. Ich bin so schön, dass es unmöglich ist, sich von meinem Anblick loszureißen. Aber bald ist der Herbst angebrochen, die Passanten sind immer weniger geworden und immer seltener habe ich die magischen Worte: „Schau, was für ein schöner Hund!“ gehört.

Eines Tages ist Ella arbeiten gegangen und ich habe mich entschieden, dies zu unterminieren und dorthin laufen, wo es viele Leute gibt. Leider hat es nicht geklappt... Ella ist zurückgekommen. Man müsste mehr in die Tiefe, statt knapp unter der Oberfläche entlang graben. Aus all dem hat Ella Trugschlüsse gezogen. Sie hat gedacht, dass ich einen Hunde-Kumpel bräuchte. Fazit – sie hat den 4 Monate alten Baikal heimgebracht. Dabei ist das einzige, das mir fehlte, immer wieder zu hören, wie schön ich bin – nichts anderes.

Den Winter habe ich überlebt, dann kam der Frühling mit viel Sonne, vielen Menschen und mit den magischen Worten an mich. Einmal ist ein älteres Paar, Mann und Frau, vorbeigegangen. Der Mann sagte „Schau, was für ein schöner Hund“. Wie immer habe ich eine stolze Pose eingenommen, aber er streckte die Hand nicht zu mir, sondern zu Baikal. Daraufhin habe ich diese Hand geschnappt, selbstverständlich nicht zu stark – es war ein Pensionist und anscheinend noch dazu ein Blinder, da er MICH nicht bemerkt hat. Damals hat Baikal von mir den vollen Anschnauzer mit allen Kunstkniffen gekriegt. Er wird sich hüten, sich nächstes Mal vorzudrängen! Er hat eine ganze Woche lang damit verbracht, seine Wunden zu lecken. Ella hat nicht geschlafen, lange geweint. Sie hat mir weh getan, aber was kann ich tun? – mein Stolz...

Der Sommer ist wie im Fluge vergangen. Baikal und ich sind mannbar geworden, unsere Muskeln strotzen, denn 200 km pro Woche laufen ist kein Spaß. Und im Herbst brachte Ella uns nach Tulln, zur Hundeausstellung. Aber sie hat nicht etwa an eine Teilnahme für uns gedacht. Nein, sie suchte ein Sportclub für Schlittenhunde. Wir sind aus dem Auto gesprungen, Ella in Stöckelschuhen, Rücken gerade, ich mit hochgewölbter Brust, Schnauze hoch und ein Gang wie ein Lippizaner-Pferd, d.h. die Pfoten ziehe ich mit Würde hoch. Alle drehen sich zu uns um, Komplimente überschütten uns wie aus einem Füllhorn. Wir haben im Pavillon eine Ehrenrunde gemacht und sind dann raus gegangen. Hier, Ihr werdet mir nicht glauben, es verschlug mir den Atem! Ich sehe Hunde, und ihre Blicke, ihre Minen und Bewegungen, erzählen mir was Neues. Das ich nicht kenne. Und das macht mich neugierig. Ich will wie SIE sein! Ella schreit „Hurra, gefunden, da ist der Schlittenhunde-Club!“ In dem Moment begreife ich, dass sich vor mir die Pforten ins Unbekannte öffnen, das mich wie eine Wunderwelt anzieht und mein Spürsinn flüstert mir ein: das ist eine Welt voller Abenteuer! Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Fortsetzung folgt.

Amur Nordlicht.
PS. Ich bin doch sooo schön!